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Das Zertifikat als Geldanlage erklärt
Ein Zertifikat ist als Schuldverschreibung eine Art Wertpapier. Der Herausgeber, auch Emittent genannt, verbrieft dem Käufer eines Zertifikates einen Zahlungsanspruch unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Die Ausgestaltung dieser Voraussetzungen steht in den Konditionen, hier hat der Emittent umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Zugrunde liegt einem Zertifikat immer ein Basiswert. Entwickelt sich dieser so, wie es die Konditionen vorsehen, so kann der Käufer seinen Zahlungsanspruch beim Emittenten einlösen. Vereinfacht dargestellt werden kann dies am Deutschen Aktienindex (DAX). Liegt der DAX als Basiswert einem Zertifikat zugrunde, so würde eine positive Kursentwicklung unmittelbar Einfluss auf die Rendite des Zertifikates nehmen. Umgekehrt könnte in den Konditionen auch ein Renditeplus vereinbart werden, wenn der DAX fällt. Ob einzelne Aktien oder ganze Aktienbündel, ob Goldpreis, Preisentwicklung einzelner Rohstoffe oder der Tabellenstand des FC Bayern München über eine Saison – im Grunde gibt es für Gestaltungsmöglichkeiten des Basiswertes eines Zertifikates kaum Grenzen. Im Folgenden werden die gängigsten Formen des Zertifikates kurz erläutert.
Das Indexzertifikat ist direkt an einen Aktienindex gebunden. Hier können Anleger direkt an der Entwicklung von DAX, TecDAX, Dow Jones und Co. teilhaben. Meist wird der Index 1:100 abgebildet. Steht der DAX bei 10.000 Punkten, wäre ein entsprechendes Zertifikat 100 Euro wert. Ein Basket-Zertifikat hat ein Bündel verschiedener Aktienkurse als Basiswert. Hier hat der Herausgeber nahezu freie Hand bei der Zusammenstellung der Aktien. Garantiezertifikate sichern dem Anleger auch bei ungünstiger Entwicklung des Basiswertes mindestens die Rückzahlung seines Kapitaleinsatzes zu. Dafür muss er jedoch auch eine starke Begrenzung der Rendite in Kauf nehmen. Garantiezertifikate sind vor allem bei auf Sicherheit bedachten Anlegern gefragt.
Ein ähnliches Produkt ist das Diskontzertifikat. Es wird zu einem günstigeren Preis angeboten, als es der Basiswert vorgibt. Orientiert sich das Zertifikat am DAX von 10.000 Punkten, so beträgt der Ausgabepreis etwa 90 anstatt 100 Euro. So haben Anleger einen Sicherheitspuffer, um das Zertifikat bei Abrutschen des Kurses ohne allzu große Verluste schnell verkaufen zu können. Von einem Anstieg des DAX profitieren sie jedoch auch nur mit Abschlägen.
Während es sich bei den vorangegangenen Beispielen um Anlageprodukte handelt, gibt es auch so genannte Hebelprodukte. Diese zeichnen sich durch sehr hohe Renditechancen, jedoch auch durch ein hohes Risiko aus. Bei einem Turbozertifikat wirkt ein Multiplikator als Hebel, um überproportional an der Entwicklung des Basiswertes teilzuhaben. Bei einer günstigen Entwicklung verspricht das Turbozertifikat sehr hohe Renditen, sinkt der Basiswert hingegen, droht der Totalverlust des eingezahlten Geldes.
Wie kommt nun aber der Privatanleger an seine Zertifikate?
Diese Schuldverschreibungen bilden zwar die Kurswerte anderer Aktien, Anleihen etc. ab, das bedeutet jedoch nicht, dass der Besitzer eines Zertifikates auch an diesen Firmen teilhat. Ein Zertifikat ist immer nur ein Vertrag zwischen Emittent und Käufer, jeglicher Anspruch auf Zahlung ist nur an den Emittenten zu richten. Dementsprechend verkaufen auch nur Emittenten Zertifikate. Dies können Banken, große Firmen und andere Finanzhäuser sein. Der Rückkauf kann zu einem bestimmten Termin erfolgen oder ein zeitlich unbegrenzt sein. Zertifikate werden sowohl an den Börsen als auch außerbörslich gehandelt. Der schnellste und einfachste Weg zum Anlageprodukt Zertifikat ist der über die Bank.
Kosten und Flexibilität
Wer glaubt, Zertifikate seien nichts als ungesicherte Aktienfonds, sollte einen Blick auf die Kosten werfen. Während bei einem Fonds der Ausgabeaufschlag sowie die Depot- und Verwaltungsgebühren die Rendite deutlich schmälern, wird beim Handel mit Zertifikaten in der Regel nur eine Provision fällig. Diese liegt oft um 1 Prozent des Anlagevolumens. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Man sollte die Bedingungen eines Zertifikates genau studieren und gegebenenfalls von neutraler Stelle prüfen lassen. Mitunter finden sich in hier in komplizierten Klauseln versteckte Kosten. In der Regel besitzen Zertifikate eine sehr hohe Flexibilität, sie sind an jedem Börsentag handelbar. So kann der Anleger auch kurzfristig seine Liquidität gewährleisten. Diese erkauft er jedoch möglicherweise mit Verlusten bei einer vorzeitigen Veräußerung der Zertifikate.
Renditechancen
Bei einer Anzahl von derzeit über 200.000 verschiedenen Zertifikaten auf dem deutschen Mark ist es schwierig, pauschale Angaben zur Rendite zu machen. Zu unübersichtlich ist der Markt, zu verschieden die Konditionen der einzelnen Produkte. Gerade im Hinblick auf die Hebelprodukte kann man von außerordentlich hohen Renditen sprechen. Diese werden jedoch auch mit einem sehr hohen Risiko erkauft. Gerade Einsteigern sei es hier keinesfalls empfohlen, sich auf der Suche nach dem richtigen Anlageprodukt nur nach der Rendite zu richten. Sicherheitsorientierte Produkte bieten weit weniger Rendite.
Sicherheit und Risiken
Eine pauschale Aussage über die Anlagesicherheit von Zertifikaten kann kaum getroffen werden, zu unterschiedlich sind die Konditionen der einzelnen Produkte gestaltet. Wer eher der risikoscheue Anleger ist, sollte sich an Garantie- oder Bonuszertifikate halten. Je mehr Rendite ein Anleger erzielen möchte, umso risikoreicher wird sein Zertifikat gestaltet sein.
Grundsätzlich beinhalten Zertifikate zwei unterschiedliche Risiken. Das größere Risiko ist die ungünstige Entwicklung des zugrunde liegenden Basiswertes. In diesem Fall würde der Anleger abhängig von den Konditionen seines Zertifikates keine oder nur eine sehr geringe Rendite erhalten, möglicherweise würde er auch sein Geld verlieren. Je riskanter die positive Entwicklung des Basiswertes also ist, umso mehr Risiko trägt auch der Anleger mit seinem Zertifikat. Das kleinere Risiko ist die Gefahr der ausbleibenden Bonität des Emittenten. Lange galt es als höchst unwahrscheinlich, dass eine Bank oder ein andere großes Kreditinstitut zahlungsunfähig wird. Die Ereignisse der Finanzwelt seit Herbst 2008 haben viele Anleger jedoch eines besseren belehrt. Denn Zertifikate unterliegen als Schuldverschreibungen eines Emittenten nicht der Einlagensicherung. Geht der Aussteller der Schuldverschreibung Bankrott, werden Zertifikate als nachrangige Forderungen in aller Regel nicht mehr ausgezahlt.
Beachtenswertes
Um selbstständig mit Zertifikaten einen Vermögensaufbau zu betreiben, bedarf es schon einiger Erfahrung. Vor allem das Verhältnis von Renditechance und Verlustrisiko sollte wohl überlegt sein. Während Garantie- und Bonuszertifikate noch verhältnismäßig sichere Anlagen sind, entpuppen sich bereits viele Indexzertifikate nicht sehr krisenfest. Vom Drahtseilakt Turbozertifikat sollten Kleinanleger mit wenig Erfahrung die Finger lassen. Wer nicht allzu viel Geld über hat, sollte daher besser auf eine sicherere Anlageform zurückgreifen.
Gerade bei größeren Anlagesummen über einen längeren Zeitraum sollte man den finanziellen Hintergrund des Emittenten prüfen. Schließlich will niemand sein Geld verlieren, wenn der Herausgeber der Zertifikate nicht mehr zahlungsfähig ist.

